Wie versprochen möchte ich nun meinen ersten Strategieartikel beisteuern. Er widmet sich dem Spiel der Anfangsphase (erste zwei Blindlevels 10/20 und 15/30).
Zuerst bitte ich zu beachten, dass meine Strategie dazu geeingnet sein muss, auch mit mehr als 20 Tischen gleichzeitig noch gut durchführbar zu sein. Deshalb sind die meisten Entscheidungen - vorallem in der frühen Phase - wenig auf das Postflopspiel ausgerichtet und ein sehr tighter Ansatz wird verfolgt.
Desweiteren ist diese Strategie gedacht, die Micro- und Smallstakes zu schlagen. Für Limits ab 15$ oder 30$ müssen dringend Änderungen und Erweiterungen vorgenommen werden!
In Wirklichkeit spiele ich innerhalb der ersten zwei Blindlevel wirklich ausschließlich die Premiumhände AA,KK,QQ und AK, und dazu noch alle weiteren Pocketpaare auf Setvalue, soweit möglich.
Wenn vor mir noch nicht eröffnet wurde, openraise ich mit den Premiumhänden aus jeder Position auf 4bb. Werde ich gereraist shove ich AA, KK und QQ (Achtung, nicht auf höheren Stakes machen!) und calle in position mit AK. Out of position shove ich gegen loose Gegner auch AK (suited und offsuited). Gegen sehr tighte Gegner folde ich diese gegen einen Reraise, da wir gegen ihre Handrange (meist ähnlich tight wie meine) nurnoch etwa 40% haben, und die Potodds in Verbindung mit ICM (Independent Chip Model) einen Call nicht rechtfertigen.
Wir müssen in der ersten Phase vorallem darauf achten, unsere Chips zusammen zu behalten. Wenn irgendwann ein Aufdoppler kommt, wollen wir auf 3k Chips, und nicht nur auf 2k Chips verdoppeln!
Wenn man sich an meine Preflop-Strategie hält, sollte man in der frühen Phase nur selten in einen Postflop-Pot verwickelt werden. Entweder man hält ein Premiumpaar und hat die Initiative, oder man hält in Position AK.
Ich werde jetzt hier nicht die kompletten Ideen hinter einem guten Postflop-Spiel erläutern. Dies sollte zu guten Poker-Fähigkeiten gehören und gehört nicht in diesen speziellen Strategieartikel. Jedoch ist durch meine Strategie versichert, dass man meist leichte Entscheidungen zu treffen hat. Mit einem Overpair zum Board kann man leicht Allin gehen und mit AK kann man den Pot oft durch eine Continuation-Bet gewinnen. Treffe ich mit AK aber keine Karte, und mein Gegner zeigt Stärke, werde ich diese sofort aufgeben, um meine Chips beisammen zu halten! Bei extremen Calling-Stations (nicht selten auf den unteren Limits) werde ich ohne Paar mit AK sogar auf eine Contibet verzichten.
Um es einmal klar zusammenzufassen: Blufft nicht Postflop auf den unteren Limits! Ihr beschwert euch immer runtergecallt zu werden? Dann blufft einfach nicht und zeigt ihnen immer Premiumhände, wenn sie sowas tun! Ihr werdet sehen wie erfolgreich solch eine Strategie auf den Micros ist.
Eine weitere Situation, in die ihr nach meiner Strategie in den frühen Blindslevels geraten könnt, ist in kleine Pötte mit kleinen Pocketpaaren. Kleine Pocketpaare (22-JJ, und ich behandele hier JJ GENAUSO wie 22!) in der Anfangsphase kann man einfach openlimpen und hoffen billig einen multiway Pot zu sehen. Wird man geraised callt man nur, wenn die effektiven Stacks noch mindestens 20 mal die Raisegröße beträgt. So werden genügend Implied-Odds für den Call auf Setvalue garantiert. Wenn vor einem geraised wird, gilt das selbe - man muss hier jedoch darauf achten, dass auch nach einem nocheinmal gereraised werden kann. Wenn jemand auf 60 openraised ist ein call also nur in late position, in den Blinds, oder an einem sehr passiven Tisch angebracht.
Postflop ist das Spiel hier einfach: Trifft man sein Set, versucht man schnell Allin zu kommen. Trifft man sein Set nicht, wirft man die Hand weg wenn Overcards auf dem Board liegen. Sollte man ein Overpair geflopped haben (z.B. mit JJ) kann man anspielen und solange dabei bleiben, bis jemand wirklich Stärke zeigt. Dann aber sofort die Hand entsorgen und möglichst viele Chips sparen.
Mit meiner sehr tighten und sehr agressiven Strategie ist es normal, dass ihr hin und wieder auf dem letzten- oder vorletzten Platz landet. Die vielen Aufdoppler (grade auf den Micros) und die gespaarten Chips, wenn man keinen Aufdoppler bekommt, machen dies allerdings später mehr als weg. Wenn man viele Tische spielen möchte, finde ich diesen Ansatz als den mit Abstand profitabelsten! Möchte man sich auf die optimale Strategie konzentrieren ist aber durchaus eine loosere Anfangsstrategie spielbar.
Ich hoffe, dass ich hiermit schon einmal viel weiterhelfen konnte. Kritik und Fragen sind gerne willkommen! Andere Strategieartikel werden folgen. Geplant sind hier natürlich die weiteren Turnierphasen und auch Artikel zu Bankroll-Management und Swings, zum Hold'em Manager und die Analyse einzelner, interessanter Hände.
So long...
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